Bürgerverein

Rauschendorf  - Scheuren e.V.

Historisches

 

10. Jhd.
Rauschendorf wird erstmalig in Urkundenbüchern genannt; ein Bürger Lutfried schenkt dem Cassiusstift einen Weingarten in "Ruizendorp".
1117
Der Kölner Erzbischof Friedrich I übergibt der Abtei Siegburg die ihm von dem Kölner Burggrafen Franko übertragenen Lehen u.a. in "Ruzenthorp". Dies ist die erste datierte Urkunde über Rauschendorf.
1121
Erzbischof Friedrich I bestätigt die Verfügungen des Siegburger Abtes, wonach die Abgaben der Höfe u.a. in "Ruyschendorp" und "Buchenrode" (Bockeroth) der steigenden Zahl der Mönche angepaßt werden.
1245
Papst Godefried läßt den von den Höfen in "Ruszendorf und "Stildorp" zu leistenden Zehnten dem Stiftskapital des Cassiusstiftes zukommen.
1317
Der Weylerhof wird erstmalig als zum Kloster Merten gehörig erwähnt. Damals hieß er Hof zu Schure.
1359
In einer erstmals in deutscher Sprache abgefaßten Urkunde wird Rauschendorf als "Ruschendorff' genannt.
1360
Erstmals wird der Bödinger Hof als Besitz des Adolf von Grafschaft erwähnt.
1620
Die Verpachtung des Hofes aus Oberscheuren (heute Hof von Weyler) durch das Kloster Merten wird erstmalig erwähnt.
1644
wird erwähnt, dass die Geistlichen Herren zu Bödingen "Ihrer Fürstlichen Durchlaucht jährlich von ihrem Gut zu Rauschendorf" Abgaben abliefern.
1766
wird beurkundet, dass aus Scheuren der Weinzehnt zu zahlen ist.
1794
Französische Truppen besetzen das Rheinland.
1795
Errichtung einer Elementarschule in Rauschendorf.
1798
Der Bödinger Hof wird an Simon Heyder verpachtet.
1813
Die Franzosen werden zurückgedrängt. Im Siebengebirge wird ein freiwilliger Landsturm aus ca. 5000 Mann gebildet. Der Companie Rauschendorf gehören als Offiziere Wilhelm Birkhäuser, Wilhelm Weiler und Peter Meurer an.
1848
Revolution in Deutschland. Auch Rauschendorfer sind bei der Bildung von Arbeiterbewegungen, Gewerkschaften und Genossenschaften beteiligt.
1882
Gründung des Männergesangvereins Gemütlichkeit Rauschendorf
1889
Erstmalige Aufführung der Passionsspiele in Stieldorf. Initiator ist der Landwirt und Dirigent des Kirchenchores, Michael Weyler aus Oberscheuren.
1911
Beginn der Versorgung Rauschendorfs und Scheurens mit Elektrizität
1912
Erstes Telephon in Rauschendorf (bei Franz Velten)
1913
Gründung des Turnvereins Gut Heil Rauschendorf
1818
Auflösung der Elementarschule
1918
Einrichtung einer neuen Schule in Rauschendorf
1914/1918
Viele Rauschendorfer und Scheurener werden zum Ersten Weltkrieg eingezogen; 4 von ihnen kommen nicht mehr aus dem Krieg zurück.
1920
Gründung des Mandolinenclubs Heimatklänge Rauschendorf
1923
bilden sich für und gegen die Abtrennung des Rheinlandes Volksstürme. An den Separatistenkämpfen sind Rauschendorfer und Scheurener beteiligt.
1924
Gründung der Sterbenotgemeinschaft in Rauschendorf
1937
Im Frühjahr Baubeginn der „Reichsautobahn" Köln - Frankfurt/Main
1939/1945
Der Zweite Weltkrieg fordert viele Opfer unter der Rauschendorfer und Scheurener Bürgerschaft. 24 Menschen sterben in Rauschendorf durch Bomben und Artilleriebeschuß. 26 müssen als Soldaten ihr Leben lassen.
1953
Von 1953 bis 1954 Flurbereinigung in Rauschendorf und Scheuren
1957
Beginn der Wasserversorgung durch den Wasserbeschaffungsverband Thomasberg. Als erste Straße wird die Durchgangsstraße (heute: Rauschendorfer Straße und Am Tor) asphaltiert. Der weitere Ausbau erfolgt sehr zögerlich und ist im wesentlichen erst 1980 abgeschlossen.
1961
errichten Rauschendorfer Bürger eine Kapelle. Sie ersetzt ein Heiligenhäuschen, das 1957 als Folge von Flurbereinigungs- und Straßenbaumaßnahmen abgerissen worden war.
1961
Gründung eines Festausschusses zur Durchführung besonderer Feste im Dorf (Goldhochzeiten usw.)
1962
Aufstellung der ersten Straßenlampen
1968
Auflösung der Rauschendorfer und Stieldorfer Konfessionsschulen; in Stieldorf wird eine Gemeinschaftsgrundschule eingerichtet.
1969
Rauschendorf und Scheuren werden durch die kommunale Neuordnung Teile der Stadt Königswinter. Die Gemeinde Stieldorf und das Amt Oberpleis werden aufgelöst.
1970
Gründung des Rauschendorfer Junggesellenvereins.
1970
Gründung des Bürgervereins Rauschendorf-Scheuren e.V.
1972
Errichtung eines Kindergartens im Gebäude der ehemaligen Rauschendorfer Schule auf Initiative des Bürgervereins
1976
Kulturelle Festveranstaltung des Bürgervereins unter dem Motto "Rauschendorfer Woche"
1982
100-Jahrfeier des MGV Gemütlichkeit
1982
Anschluß Rauschendorfs an die Kanalisation
1984
Gründung des Brauchtumsvereins; er übernimmt die Aufgaben des Festausschusses und des Junggesellenvereins.
1986
Die Stadt Königswinter übereignet dem Bürgerverein die Kapelle.
Rauschendorf wird geschwindigkeitsbegrenzte Zone (30 km/h-Zone)
1988
Umgestaltung des Dorfplatzes auf Initiative des Bürgervereins
1990
Ober- und Niederscheuren werden geschwindigkeitsbegrenzte Zone (30 km/h-Zone)
1991
Aufstellung einer englischen Telefonzelle in Rauschendorf
1992
Zwanzigjähriges Jubiläum des Rauschendorfer Kindergartens.
13. April, Erdbeben im Rheinland. Die Kirche in Oberpleis wird schwer beschädigt.
20. Juni, Hochwasser des Lauterbachs und des Pleisbachs. Starke Schäden an der Pleisbrückein Oberscheuren.
1993
Scheurener Bürger erstellen ein Denkmal zur Erinnerung an die Kriegsopfer. Im September wird die Poststelle in Rauschendorf geschlossen.
1994
Zehnjähriges Jubiläum des Brauchtumsvereins. Im August Neubau der Lauterbachbrücke am Stieldorfer Friedhof.
2010
Fünfundzwanzigjähriges Jubiläum des Bürgervereins.
2012
130jähriges Jubiläum des Männergesangvereins5jähriges Jubiläum des Männergesangvereins                2013/2014
Die fünf Rauschendorfer Vereine bauen gemeinsam den Platz der Generationen und weihen ihn im Juni 2014 ein. Zur Finanzierung wird 2013 das Mittsommernachts-Festival ins Leben gerufen, dass alle zwei Jahre auf dem alten Schulhof stattfindet.
2014
Rauschendorf nimmt am Kreiswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" und gewinnt eine Silbermedaille.

 


Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit

Rauschendorf und Scheuren im zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit

 

Auch Rauschendorf und Scheuren wurden vom Zweiten Weltkrieg nicht verschont. Die Wehrmacht zog viele Männer zum Kriegsdienst ein. 26 kehrten nicht mehr zurück.
Die Bewohner von Rauschendorf konnten während des Krieges in drei Lebensmittelgeschäften und in der Metzgerei Reuter einkaufen. Auch waren zwei Gastwirtschaften vorhanden, Backwaren konnten beim Bäcker Theo Schaler bezogen werden.
Der Winter 1939/1940 war sehr streng. In der vom Hauptlehrer der Rauschendorfer Schule, Gottfried Emans, verfassten Schulchronik wurde folgendes aufgezeichnet: „Kurz vor Weihnachten setzte der Winter ein, mit etwas Frost und leichtem Schnee. Doch nach Weihnachten entpuppte er sich als einer der härtesten Winter, dessen sich die ältesten Leute erinnern können. Nachdem eine Schneedecke von etwa 15 cm gefallen war, setzte starker Frost ein, der sich bis zu einer Kälte von 18 Grad und mehr steigerte. Dieser hielt fast 6 Wochen an. Es taute und schon glaubten wir den Winter vorbei zu haben, da setzte in den schon geschmolzenen Schnee erneut stärkster Frost ein, der deshalb großen Schaden verursachte, weil die Erde nun schneefrei war. In den Gärten erfror alles Gemüse. Es fror in die Häuser hinein, so dass auf den Speichern das Obst und in den Kellern die Kartoffeln erfroren. Viele waren gezwungen, ihre Keller von außen durch eine Mistlage zu schützen. Es trat auch wieder ein Schneetreiben ein. Alle Zugangswege zu unserem Dorfe waren verweht, so dass aller Verkehr stockte und einige Fahrzeuge sich in dem meterhohen Schnee festgefahren hatten. Zweimal haben die hier einquartierten Soldaten die Wege nach Stieldorf und Birlinghoven freigeschaufelt, so dass der Schnee zu beiden Seiten wie eine hohe Mauer stand. Die Jugend fand jetzt Gelegenheit zum Schlitten fahren. Doch die Freude war meist zu teuer erkauft, da die Kälte zu bissig war und sie bald wieder mit kalten Händen nach Hause eilten. Auch das Skifahren war endlich einmal hier möglich. Einige Schüler versuchten es auf selbstgebastelten Skis und siehe, auch das ging zur Not. Schließlich war aber selbst die Jugend des Schnees überdrüssig - es musste bald der Frühling kommen."

Um den kriegsbedingten Ausfall von Arbeitskräften in Landwirtschaft und Gewerbe auszugleichen, wurden der Gemeinde im Frühjahr 1940 fünfzig polnische Kriegsgefangene zugewiesen, die in Stieldorf im Saal des damaligen Gasthauses Schneider untergebracht waren. Sie mussten bei Bauern und Handwerksbetrieben arbeiten. Sie wurden tagsüber nicht bewacht. Abends mussten sie sich zur festgesetzten Stunde im Dorfsaal einfinden. Einer dieser Gefangenen hat in der Rauschendorfer Dorfschmiede das Schmiedehandwerk erlernt. Nach Kriegsende hat er aus Polen geschrieben und sich für das Gelernte und die freundliche Behandlung bedankt. Er hatte sich als Schmied in Polen selbständig gemacht. Im Jahre 1941 kamen französische Kriegsgefangene nach Rauschendorf, die im Saal des damaligen Gasthauses Schremper untergebracht waren. Auch sie mussten bei den Landwirten und anderen Betrieben unter den gleichen Bedingungen wie die polnischen Gefangenen arbeiten.

Im Herbst 1940 erlebte die Bevölkerung in unserer Gegend erstmals den Krieg. Feindliche Flugzeuge überflogen auch Rauschendorf und Scheuren. Sie setzten ihre „Leuchtschirme" und warfen Bomben ab, haben aber in den Orten keine nennenswerten Schäden angerichtet. Im Juni 1941 kam es wieder zu Luftangriffen über Rauschendorf, es schlugen 8 Sprengbomben etwa 200 Meter vor dem Dorf ein. Die Einwohner wurden aufgeschreckt und flüchteten in ihre Keller. Zirka 50 Bomben fielen auf die Gemeinde und verursachten zum Glück nur Sachschäden.
Wiederum aus der Schulchronik wissen wir, dass auch das Jahr 1942 „einen sehr strengen Winter brachte, wie er seit Menschengedenken nicht bekannt war. Nach Zeitungsberichten seit 135 Jahren. Nach Neujahr setzte plötzlich ein solch starker Frost ein, dass es einen erschrecken konnte. Glücklicherweise fiel auch etwas Schnee, so dass die Saaten nicht Schaden litten. Der Frost stieg bis zu 35 Grad Minus - für rheinische Verhältnisse ein unerhört hoher Stand. Bald erstarrte denn auch alles unter dieser grimmigen Kälte. Die Pumpen des Ortes froren zu, trotz ihrer Umhüllung. Bäche und Teiche bekamen eine dicke Eiskruste. Sogar bis in die Keller der Wohnungen drang die Kälte ein, so dass bei mangelhaftem Schutze die Kartoffeln im Keller erfroren. Auch in die Runkelmieten drang stellenweise der Frost durch. Nachher setzte kräftiger Schneefall ein und der Wind fegte den Schnee von den Feldern auf den Straßen und in den Dörfern so zuhauf, dass mehrere Dörfer der Gemeinde vom Außenverkehr abgeschnitten waren. "

Im Sommer kamen wieder feindliche Flieger. In der Nacht vom 29. zum 30. Juni 1942 fiel eine Luftmine zwischen Ober- und Niederscheuren. Das Haus der Familie Hausmann wurde erheblich beschädigt. In der Nachbarschaft gingen Fensterscheiben und Dachziegel zu Bruch. Die ab 1943 zunehmenden Luftangriffe auf Bonn und Köln führten dazu, dass es auch in Rauschendorf fast jede Nacht Fliegeralarm gab und die Menschen Schutz in den Kellern suchten. Die Sirene, die mit ihrem Geheule die nahenden feindlichen Flugzeuge ankündigte, war seinerzeit auf dem Wohnhaus des Probsthofes installiert. Die Nächte waren durch die Leuchtfallschirme der feindlichen Bomber und durch die Suchscheinwerfer der deutschen Flugabwehr taghell erleuchtet. In das Geheul der Alarmsirenen mischten sich die Detonationen der einschlagenden Bomben und Flugabwehrgranaten.

Nachdem die alliierten Truppen über die Brücke bei Remagen die rechte Rheinseite erreicht hatten, erlebte unsere Gegend das Kriegsgeschehen unmittelbar. Bald hatten sich die gegnerischen Truppen durch das Siebengebirge gekämpft, wobei beide Seiten starke Verluste erlitten. Ein in der Rauschendorfer Schule eingerichtetes Lazarett wurde fluchtartig nach Waldbröl verlegt. Emans schildert in der Schulchronik die Ereignisse wie folgt:
„Am 14. März 1945 trat der Feind aus dem Siebengebirge heraus gegen unsere Heimatgemeinde an. Er belegte zunächst die Straßenkreuzungen mit starkem Artilleriefeuer. Der Beschuß begann meist abends um 8 Uhr und dauerte bis morgens 7 Uhr. Unser Dorf blieb lange vom Feuer verschont. Die Granaten sausten über uns hinweg zur Autobahn hin und zu den Kreuzungen in Birlinghoven, Rauschendorfer-Mühle, Stieldorf, Hoholz. Unsere Artillerie stand in Roleber, Bockeroth und weiter zurück auf dem Rücken von Rott. Unsere Leute suchten daher Zuflucht in den Kellern. In unserem Wohnkeller waren 33 Personen - meist Frauen und Kinder - untergebracht. Ich hatte einen zweiten Ausgang geschaffen und für Schlafgelegenheit gesorgt. Ein kleiner Ofen erwärmte den Raum. So schlossen wir uns kameradschaftlich zusammen, des guten Willens, einer dem anderen zu helfen. Anfangs war es noch möglich, dass die Frauen für den Mittag sorgten; aber am Ende hörte das auch auf. In den letzten Tagen durfte keiner mehr den Keller verlassen, ohne in Lebensgefahr zu geraten. Am 19. März besetzte der Feind Frankenforst (das auch dreimal seinen Besitzer wechselte) und Vinxel, dann Stieldorferhohn, Oelinghoven und Stieldorf, am 20. März schlug unsere Schicksalsstunde. Wenn wir geglaubt hatten, den Abzug der deutschen Front zu erleben, so sahen wir uns darin sehr getäuscht. Was da als Front an uns vorüberzog, waren nur einige wenige Mann mit ein paar Maschinengewehren und Granatwerfern. Doch hielten diese den Feind immer noch in Schach. Am letzten Abend kam noch ein Spähtrupp mit zwei Mann in die Schule, um vom Dach aus den Feind zu beobachten, der Stieldorf schon besetzt hatte. Man muss staunen, dass diese noch den Mut aufbrachten, sich gegen diese Übermacht zu verteidigen, denn am anderen Morgen ging der Tanz los. Unser Dorf wurde mit Granaten belegt. Viele glaubten, ihr letztes Stündlein sei gekommen. Doch in unserem Keller blieb alles ruhig. Wir trauten der Festigkeit seiner Mauern. Da kurz vorher noch deutsche Panzer auf dem Schulhof aufgefahren waren, wurde die Schule sehr stark beschossen. Auf dem Schulhof allein lagen 12 Treffer. Eine Granate schlug ins Dach ein, eine vor die Haustreppe. Wohl hörten wir unten im Keller Ziegel und Glasscheiben klirren, wohl drang der Pulverdampf in den Keller und einige Sandkörner rieselten von der Decke, aber das Gebäude hielt stand. Ein Treffer geriet vor die Schultür und ein Volltreffer durch das Fenster in die 4. Klasse. Er durchschlug den Boden zum Holzstall. Auch die umliegenden Häuser bekamen viel mit: Laufenberg, Löllgen Hermann, Stümper Heinrich, Stümper Peter, Gemein, Krämer Wwt., Pütz Johann, Pütz Peter, Krämer Heinrich, Auf der Mauer, Mays. Das übrige Dorf erhielt nur vereinzelte Treffer. Man kann daraus erkennen, dass der Feind von der jenseitigen Höhe vom Dorfe nur den unteren Teil sah, besonders die Schule. Vielleicht hat die Pappelallee den anderen Teil des Dorfes gerettet, indem sie dem Feind die direkte Sicht verschloss. Nachdem der Spähtrupp uns erklärt hatte, dass sie die letzten deutschen Soldaten seien, dass hinter ihnen die Amerikaner kämen, setzten wir vor jeden Eingang eine weiße Flagge, um dem Feind zu zeigen, dass kein Widerstand mehr zu befürchten sei. Die ganze Nacht durch hielt der Beschuß an, um am anderen Morgen verstärkt fortgesetzt zu werden. Dann warf noch ein feindlicher Flieger sechs Bomben ab, davon eine im Unterdorf vor das Haus von Krämer Heinrich (Nr. 21), direkt vor die Schulgartenecke, die zweite auf die Hauptstraße vor die Ecke des Schulplatzes und Dahms Garten, die anderen ins Feld. Wir fühlten im Keller das Fallen der Bomben als einen Erdstoß von unten, so dass das ganze Gebäude bebte. Plötzlich setzte gegen 7 Uhr der Artilleriebeschuß aus und wir wussten, dass die Amerikaner im Dorfe waren. Herr Müller und ich vereinbarten, dass jeder von uns sich an einem Ausgang aufstelle, um die Amerikaner zu empfangen. Gleich hörten wir auch Schritte im Flur und an der Kellertreppe rief eine Stimme in den Keller hinein. Sogleich stieg ich hinauf und begrüßte den Amerikaner. Es war ein freundlicher Mensch. Er betonte, nachdem er Gewissheit hatte, dass kein Soldat unten war, dass alle im Keller verbleiben sollten - wegen der weiteren Gefahr von Granaten der deutschen Artillerie. Doch bald wagten sich die Leute auch wieder herauf, um einen Blick nach ihrem Eigentum zu werfen. Da sahen wir die Greuel der Verwüstung, doch bei allen machte sich eine starke Beruhigung geltend, dass nun die größte Gefahr überstanden sei. Die Freude am Schluss ließ alle wieder aufatmen."

Gegen Ende des Krieges mussten die Rauschendorfer andere Gäste in ihren Häusern aufnehmen: Nachdem die alliierten Truppen die deutsche Westgrenze erreicht hatten, flüchteten die dort lebenden Menschen aus Angst vor den Kriegsereignissen. So erreichten Familien aus dem Saargebiet und aus der Gegend von Heinsberg/Geilenkirchen unseren Ort und suchten Zuflucht, die ihnen freiwillig und ohne Druck „von oben" gewährt wurde. Als dann die Front immer näher auf das Rheinland vorrückte und Köln den schlimmsten Luftangriffen ausgesetzt war, flohen die dort lebenden Menschen ebenfalls. Allerdings nicht nur vor der näherrückenden Front, sondern auch weil ihre Wohnungen abgebrannt oder zerstört waren. Viele Familien, die aus diesem Grunde nach Rauschendorf kamen, hatten hier Verwandte, bei denen sie eine vorübergehende Bleibe fanden.

Sorgen bereitete in den ersten Nachkriegsmonaten die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Ein besonderer Gefahrenpunkt war die zwischen Rauschendorf und Scheuren verlaufende Autobahn. Nach Kriegsende wurde die Autobahn zunächst nur von den Militärfahrzeugen der Alliierten benutzt. Für die einheimische Bevölkerung war es mit Gefahren für Leib und Leben verbunden, sich auf oder in der Nähe der Autobahn aufzuhalten. Besonders nachts waren Plünderer beim Schein von Karbidlampen unterwegs, um Kartoffeln, Zuckerrüben und Obst zu stehlen. Sie mähten sogar ganze Kornfelder ab. Unter ihnen waren auch Kriminelle, die nicht davor zurückschreckten, Menschen umzubringen, um in den Besitz der Beute zu gelangen. Die unzureichend ausgerüstete Polizei war nicht in der Lage, dem räuberischen Tun Einhalt zu gewähren. Einige beherzte Einheimische organisierten daher eine Bewachung der Felder. Die Autobahn konnte bald wieder von den Deutschen benutzt werden. Zunächst fand jedoch nur wenig Verkehr statt. Man sah vor allem die so genannten „Holzkocher"-LKW, die zum Antrieb mit Holzgas umgerüstet waren. Am Bockerother Berg mussten diese Fahrzeuge so langsam fahren, dass es jungen Leuten möglich war, aufzuspringen. Ihr Ziel war es, ohne Fahrkarte in Richtung Frankfurt zu gelangen oder aber die Ladung zu plündern. Wenn Rauschendorfer Einwohner Brenn- oder Bauholz aus dem Siebengebirge beschaffen wollten, fuhren sie mit Pferd und Wagen über die Autobahn nach Ittenbach. Als die Lebensverhältnisse besser wurden, sah man sonntags Ausflügler mit selbstgebauten Gigs auf der Autobahn spazieren fahren. Den langsamen Verkehr an den Bergstrecken nutzten bis Ende der fünfziger Jahre Jugendliche dazu, den Autofahrern Obst und Gemüse anzubieten.

Im Ort begann man sehr bald nach Kriegsende mit den Aufräumarbeiten. Zur Reparatur fehlte zwar das nötige Material, aber man wusste sich zu helfen. So wurden die meisten Gebäude einigermaßen schnell in Ordnung gebracht. Mit der Einrichtung einer funktionierenden Verwaltung begann allmählich auch die Reparatur- und Aufbauarbeit an Straßen, öffentlichen Gebäuden und Schulen. Auch die Pleistalbahn nahm ihren Dienst wieder in beschränktem Umfang auf, so dass die Leute von Birlinghoven aus nach Oberpleis oder Siegburg fahren konnten.

Die amerikanischen Truppen, die unseren Raum erobert hatten, blieben nur bis zur Ablösung durch die Engländer am 28. Mai 1945. Diese verlegten ihr Quartier vom Probsthof in das Schloß Birlinghoven. Ende 1948 wurde die englische Besatzung durch Belgier abgelöst. Die letzten deutschen Kriegsgefangenen aus Rauschendorf kamen aus russischer Gefangenschaft erst 1949 nach Hause.

 

Die Rauschendorfer Kapelle

 

Die Kapelle stammt aus der Nachkriegszeit, aber ihre Vorgeschichte geht in das 18. Jahrhundert zurück. Im Zuge der Gegenreformation kam von den Jesuiten aus Münstereifel eine Welle an Sympathie für den hl. Donatus als Patron gegen Blitz und Ungewitter. Bödingen und Siegburg besitzen ein Ölgemälde, das den Heiligen mit dem jeweiligen Kloster im Hintergrund zeigt. In Sieglar kann man sich erinnern, dass an seinem Festtag jährlich eine Prozession mit einer Reliquie, die der Priester im roten Chormantel trug, durch den Ort ging. Anschließend küßten alle Pilger in der Kirche das Reliquiar. Die Wetterglocke weihte man gerne dem hl. Donatus, die bei Unwetter geläutet wurde.
So befand sich in Rauschendorf, wo jetzt die Brunnenanlage ist, ein Heiligenhäuschen. Von wem und wann dieses Heiligenhäuschen erbaut worden sind, ist nicht mehr feststellbar. Bei der Umlegung und Straßenplanung stand es im Wege und mußte weichen. Ein Ortsausschuß, der die Aufgabe hatte, einen Kapellenneubau zu planen, wurde gebildet. Der Kulturausschuß der Gemeinde Stieldorf wies einen gemeindeeigenen Platz auf dem Gelände des ehemaligen Probsthofes aus. Beim Abbruch des Heiligenhäuschens wurden alle verwendbaren Steine in die neue Kapelle mit eingebaut. Im Juli 1961 vollzog der Stieldorfer Pastor die Einweihung. Im gleichen Jahr erwählte der pensionierte Pfarrer Weuster Rauschendorf zu seinem Ruhesitz. Dieser ersuchte beim Kölner Generalvikariat um Erlaubnis, in der Kapelle die hl. Messe feiern zu dürfen. Ein Altarstein mit Reliquien des hl. Donatus wurde im Altar eingebaut und der Priester konnte mit den Bewohnern das hl. Opfer feiern. Bis 1974 erfreute sich die Dorfgemeinschaft, besonders die ältere Generation, dieser glücklichen Fügung. Dann starb am 23. September 1974 Pfarrer Weuster. Ab 1976 erklärte sich der Stieldorfer Pfarrer bereit, einmal monatlich in der Kapelle eine hl. Messe zu feiern. In der Kapelle steht eine Donatusfigur, die einem Bilde aus dem Kloster Marienborn (Zülpich) nachempfunden ist.

Nachdem sich Wilhelm Schmitz viele Jahrzehnte verdienstvoll um die Kapelle gekümmert hatte, übernahm der Bürgerverein die Verwaltung der Kapelle; 1986 wurde er Eigentümer.

Die Rauschendorfer Schule

 

Bis zur französischen Besetzung 1795 gab es weder in Rauschendorf noch in Stieldorf eine Schule. Der erste offizielle Lehrer in Rauschendorf war Mathias Kurscheidt, der in Rauschendorf während des Winters in einem kleinen Zimmer unterrichtete. Die damalige französische Verwaltung verfügte, dass in einem neuen Hause eine eigene Schule eingerichtet wurde, in der die Kinder auch während des Sommers unterrichtet wurden. Der französischen Verwaltung ist es zu verdanken, dass man hier zum ersten Mal von einem geordneten und organisierten Schulbetrieb sprechen konnte.

In der preußischen Zeit (ab 1815) wurde die Rauschendorfer "Elementarschule" aufgelöst, die Rauschendorfer Kinder mußten nun in die Stieldorfer Schule. Jedoch erreichten die Rauschendorfer unter ihrem Gemeindeverordneten Wilhelm Birkhäuser, dass hier im Ort eine neue Schule errichtet wurde, in die auch die Kinder aus Birlinghoven, Ober- und Niederscheuren und Bockeroth gingen. 1825 wurde dann in Preußen die allgemeine Schulpflicht eingeführt, wodurch die Schülerzahl erheblich anwuchs. Es mußte somit 1837 ein neues größeres Schulgebäude errichtet werden, zumal Hoholz, Düferoth und Freckwinkel noch zum Schulbezirk Rauschendorf geschlagen wurden. Gleichzeitig wurde eine zweite Klasse eingerichtet, d.h. es wurde eine Aufteilung in jüngere und ältere Kinder vorgenommen.

1853 wurde eine dritte Klasse eingerichtet und Jacob Brewer als Lehrer und Schulleiter eingestellt. Er hat über ein halbes Jahrhundert in Rauschendorf unterrichtet und ist selbst ein Teil der Ortsgeschichte geworden. Er trat 1905 mit 80 Jahren in den Ruhestand, seine Verabschiedung, bei der Wilhelm Schmitz als kleiner Schuljunge ein Gedicht aufzusagen hatte, war ohne Zweifel das Fest des Jahres. Jakob Brewer starb 1909 im Alter von 88 Jahren. Den Kindern der Stieldorfer und der Rauschendorfer Schule hatte er testamentarisch je einen Weckstuten zukommen lassen.

Die zweite Klasse hatte erst 1880 einen geprüften Lehrer. 1853 wurden an der Rauschendorfer Schule 285 Kinder unterrichtet. Da damals von Gesundheitsfürsorge, vor allem von Schutzimpfungen, noch nicht die Rede sein konnte, wurde der Unterricht zeitweilig durch Epidemien erheblich beeinträchtigt. So erschien im Januar/Februar 1865 wegen Masern kaum die Hälfte der Schulkinder zum Unterricht. Der Schulbesuch war damals für die auswärtigen Kinder, die die Rauschendorfer zahlenmässig weit übertrafen, nicht so bequem wie heute. Die Winter waren damals kälter, die Straßen hatten noch keine feste Decke und waren nach langen Regenfällen vollkommen aufgeweicht, so dass es auch aus diesem Grunde vor allem im Herbst erhebliche Fehlzeiten beim Schulbesuch gab.

Das Schuljahr begann jeweils Ostern. Die Sommerferien betrugen 2-3 Wochen, dafür dauerten die Herbstferien 6 Wochen. Daß die älteren Kinder in den Hauptarbeitszeiten vielfach von ihren Eltern vom Unterricht zurückgehalten wurden, war ein immer wiederkehrendes Ärgernis für die Lehrer und die Schulbehörde.

Zur Rauschendorfer Schule gehörte auch eine Baumschule mit Wildlingen und veredelten Stämmchen. Hier lernten die Jungen veredeln und okulieren. Der Aufwuchs war Eigentum der Gemeinde, doch erhielt der Schulleiter alle paar Jahre eine Prämie, die einem knappen Monatsgehalt entsprach. Obstbaumzucht war für die Jungen Prüfungsfach. Die frühe Entwicklung des Ausbildungswesens auf diesem Gebiet dürfte mit dazu beigetragen haben, dass das Pleistal heute eine überregionale Bedeutung als Zentrum von Baumschulen und Ziergehölzen hat.

Die Gemeinde Stieldorf, zu der ja Rauschendorf gehörte, legte 1898 als Träger ihrer beiden Schulen u.a. fest, dass ein einstweilig angestellter Lehrer 960 Mark Gehalt im Jahr bezog, eine einstweilig angestellte Lehrerin jedoch nur 800 Mark. 1909 wurden 2 neue Klassenräume unmittelbar an das alte Schulgebäude angebaut. Das älteste Schulgebäude wurde ein Jahr später abgerissen. Die Schule hatte nun 4 Klassenräume. Bei Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 wurde die Schule für 3 Wochen geschlossen.

Zu Beginn des Krieges stand der Unterricht entsprechend den behördlichen Anweisungen mehr oder weniger im Zeichen des Krieges. Die letzte Viertelstunde des Schultages diente der Kriegsgeschichte. Die Fächer Geschichte, Erdkunde, Zeichnen, Singen und Aufsätze wurden irgendwie in Beziehung zum Kriegsgeschehen gebracht. Der Erste Weltkrieg brachte für die Schule eine Reihe von neuen Aufgaben. So hatten die Kinder Gummi, Metalle aller Art, Wäsche und Leinen, später auch Waldlaub als Pferdefutter zu sammeln. Auch wurden sie verstärkt bei landwirtschaftlichen Arbeiten eingesetzt, da ja gerade die arbeitsfähigen Männer eingezogen ware. Ferner wirkten sie unter ihren Lehrern bei den häufigen Zählungen und Erhebungen der Bevölkerung, des Viehs, der Kartoffel- und Getreidevorräte mit.

Das Ende des Krieges bedeutete wiederum neue Veränderungen: Mehrere Wochen lang Durchmarsch und Einquartierung des aus Frankreich und Belgien zurückkehrenden deutschen Heeres. Kaum waren die letzten deutschen Soldaten in der Rauschendorfer Schule entlaust, rückten kanadische, später englische Truppen nach. Diese blieben in den Ortschaften der Umgebung von Mitte Dezember 1918 bis Mitte 1919 als Einquartierung. Aus dem Schulbezirk Rauschendorf sind im Ersten Weltkrieg 35 junge Menschen gefallen, davon 16 aus Rauschendorf.

Die nun folgenden Jahre waren durch Inflation und später durch die große Arbeitslosigkeit bestimmt, die auch in Rauschendorf große Not hervorrief, da ja der größere Teil der Familienväter außerhalb des Ortes in einem Arbeitsverhältnis stand. Doch ging es den Arbeitslosen hier nicht ganz so schlimm wie denen in den Großstädten, da sie meist alle etwas Vieh, einen Garten und vielleicht auch noch ein kleines Stück Acker hatten.Im Jahre 1920 wurde erstmals in der Schulgeschichte ein Elternbeirat gewählt. Die wirtschaftliche Lage vieler Familien war in dieser Zeit so schlecht, dass von Februar bis April 1924, d.h. mehr als 5 Jahre nach Kriegsende, 20 unterernährte Kinder aus den Spenden der amerikanischen Quäker Schulspeisung erhielten.

Ein Name, der eng mit der Rauschendorfer Schule verbunden ist, darf hier nicht unerwähnt bleiben. Es ist dies Gottfried E m a n s, der von 1924 bis 1946 Hauptlehrer dieser Schule war. Er führte jährlich Fahrten mit den Oberklassen an den Rhein, die Mosel, in die Eifel und sogar an die See und in die Alpen durch. Dies war für die damalige Zeit zweifellos etwas Außergewöhnliches. Als eifriger Geschichtsfreund und -forscher sowie als Sammler von Gesteinen und Antiquitäten veröffentlichte er im Laufe der Jahre eine Reihe von Artikeln über die Geschichte, Vorgeschichte, Geologie, Geographie und die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse von Rauschendorf und seiner Umgebung. Emans starb 1984 im Alter von 96 Jahren in Stadt Blankenberg.

Mit Ende des Schuljahres 1967/68 am 31. Juli 1968 hörte die Existenz folgender Schulen in der Gemeinde Stieldorf auf: Kath. Volksschule Stieldorf, Ev. Volksschule Stieldorf, Kath. Volksschule Rauschendorf. Die Trennung der Volksschule (1.-9. Schuljahr) in Grundschule (1.-4. Schuljahr) und Hauptschule (5.-9. Schuljahr) erfolgte zum 01.08.1968. In Stieldorf blieb ab 01.08.1968 die Gemeinschaftsgrundschule. Die Hauptschüler besuchten ab 01.08.1968 die Hauptschule Thomasberg. Ausnahme: Die Klassen 5 und 6 bildeten eine Außenstelle der Hauptschule und wurden im Schuljahr 1968/69 im Gebäude der Gemeinschaftsgrundschule von Lehrkräften der Stieldorfer Grundschule unterrichet. Im Schulgebäude Rauschendorf wurden im Schuljahr 1968/69 zwei Klassen (1.Schuljahr: Herr Hillen, 2. Schuljahr: Frau Roloff) mit Kindern von Rauschendorf, Scheuren und Birlinghoven unterrichtet (als Außenstelle der Stieldorfer Grundschule). Durch die kommunale Neuordnung 1969 hörte der Schulbetrieb in Rauschendorf am 31.07.1969 endgültig auf. Die Birlinghovener Kinder besuchten ab Schuljahr 1969/70 die Grundschule Sankt Augustin-Niederpleis.

Seit 1972 wird das Schulgebäude vom katholischen Kindergarten Rauschendorf genutzt.